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Heidelberger SPD fordert Bildungsaufbruch

Veröffentlicht in Kreisverband


Von links nach rechts: Martin Bujard, Dr. Frank Mentrup, Dr. Anke Schuster & Kreisvorsitzender Sebastian Klassen

Mehr Haushaltsgelder für die Schulen, Abschaffung der frühen Separierung, stärkeres individuelles Fördern und gebundene Ganztagsschulen waren die Forderungen auf dem Heidelberger Parteitag

Der Saal im Bethanien-Lindenhof im Stadtteil Rohrbach war mit rund 100 Gästen voll besetzt. Bildung in Heidelberg und Baden-Württemberg war das Thema des Parteitags der Heidelberger SPD und offensichtlich bewegt dieses Thema gerade zu Beginn des neuen Schuljahres viele Menschen. „Die Zeit ist reif für einen Bildungsaufbruch in Baden-Württemberg“, sagte der bildungspolitische Sprecher der Landtagsfraktion Dr. Frank Mentrup, der als Gastreferent eingeladen war. Während in anderen Bundesländern wie Rheinland-Pfalz oder Schleswig-Holstein moderne Schulkonzepte umgesetzt würden, tue die Landesregierung in Stuttgart zu wenig.

Martin Bujard, SPD-Vorstand und Moderator der Veranstaltung, wies darauf hin, dass die Bildungsausgaben in Deutschland im internationalen Vergleich nur Mittelmaß seien. „Bildung ist elementar wichtig für die Chancen junger Menschen, für spätere Chancen auf dem Arbeitsmarkt ebenso wie für die Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben“, sagte Bujard. Und da Bildung Ländersache sei, müsse die Landesregierung in Stuttgart mehr Geld in die Hand nehmen, u.a. auch für die Einstellung zusätzlicher Lehrer.

Mentrup, selbst Vater von vier Kindern, stellte ein umfangreiches Konzept vor. Als Leitmotiv nannte er „Bessere Bildung für alle“ und forderte, dass „der skandalöse Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungschancen aufgebrochen werden muss“. Sein Konzept für die Elementarbildung sieht eine qualitativ hochwertige Betreuung in den Kitas ebenso vor wie eine professionelle Sprachförderung im Kindergarten. Die Pädagogischen Hochschulen im Land sollen nach Mentrup für die Erzieherinnenausbildung geöffnet werden und die Eltern sollen durch die schrittweise Einführung der Beitragsfreiheit entlastet werden.

Das Konzept für die Schulen „greift neueste wissenschaftliche Erkenntnisse auf“, so Mentrup. Er forderte die Grundschule und damit das gemeinsame Lernen auf sechs Jahre zu verlängern und Gemeinschaftsschulen aus Haupt- und Realschulen einzurichten. Er sprach sich für flächendeckende gebundene Ganztagsschulen aus.

Da lag er mit vielen Parteimitgliedern und Eltern auf einer Linie. Ein vom Arbeitskreis Bildung und vom Ortsverein Rohrbach eingebrachter Antrag, der das Ziel hat, ein bedarfdeckendes Angebot an gebundenen Ganztagsschulen in Heidelberg zu erreichen, wurde mit überwältigender Mehrheit angenommen. Dem Antrag nach wird die Gemeinderatsfraktion der SPD aufgefordert darauf hinzuwirken, dass die Stadt den Ausbau von Ganztagsschulen vorantreibt. Die Stadt soll Planungsmittel für Auf- und Umbaumaßnahmen bestehender Schulen einsetzen und die Schulen unterstützen, die notwendigen Konzepte zu erarbeiten.

Die Fraktionsvorsitzende der SPD-Gemeinderatsfraktion Dr. Anke Schuster unterstütze den Antrag und wies gleichzeitig darauf hin, dass die Stadt Heidelberg trotz schwieriger Bedingungen von der Landesseite einiges für die Kinder und Eltern erreicht habe. Sie erinnerte an Pädaktiv, die Ferienbetreuung und die Nachmittagsbetreuung der Kommune. Die Nachmittagsbetreuung erleichtere zwar die Berufstätigkeit der Eltern, ermögliche jedoch nicht die pädagogischen Vorteile der gebundenen Ganztagsschule. Hierfür seien schlicht mehr Lehrerstellen nötig und das obliege nicht der Stadt sondern der Landesregierung. Die Politologin Schuster stellte den Unterschied der parteipolitischen Konzepte dar: „Ganztagsschulen, die wir wollen, sind die gebundenen mit rhythmisiertem Unterricht und individueller Förderung. Die Landesregierung meint mit Ganztagsschulen ungebundene, bei denen die Kinder nach dem Kernunterricht vormittags nur aufbewahrt werden.“

Ein weiterer Antrag, der eine Positionierung zur aktuellen Sicherheitsdebatte zum Ziel hatte, wurde von den Jusos eingebracht. Er wendet sich gegen eine Einschränkung der Bürgerrechte durch Vorschläge einiger CDU-Minister und deren Versuche in der Bevölkerung ein Klima der Angst zu erzeugen. Konkret spricht sich der Antrag gegen Einsätze der Bundeswehr im Innern, gegen Gesinnungsstrafrecht und gegen Onlinedurchsuchungen aus. Dieser von Jan Stallkamp mündlich begründete Antrag wurde ebenfalls mit überwältigender Mehrheit von den Delegierten angenommen.

Der „Bildungs-Parteitag“ war von einer Aufbruchstimmung geprägt. Die anwesenden Genossen waren sich einig, dass mehr Haushaltsgelder und die genannten modernen Konzepte für unsere Schulen nötig seien. Zusammen mit Eltern, Schülern und Lehrern möchten die Sozialdemokraten auch in Zukunft verstärkt für Verbesserungen im Bildungssystem werben.

 
 

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